Frühe Prekariatsgeschichte – Von Wiener Elendsquartieren

Wien 1904: Der Wiener Journalist Emil Kläger und der Strafrichter Hermann Drawe machen sich auf den Weg in den Untergrund – im wahrsten Sinn des Wortes: In der Kanalisation der wachsenden Metropole dokumentieren sie das Leben der Ärmsten. Sozusagen “die frühe Prekariatsgeschichte”.

Von 1905 bis 1908 berichtet Kläger in einem Lichtbildervortrag an der Wiener Urania das, was er gesehen und was Drawe fotografiert hat. Die Veranstaltung wird ein sensationeller Erfolg. Mehr als 300 Mal lässt er seine Zuhörer und Zuseher in die Welt der Obdachlosen, Bettgeher, Strottern und Nachtasylanten blicken. Aus dem Vortrag wird 1908 ein Buch: “Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens. Ein Wanderbuch aus dem Jenseits” ist nun wieder als Faksimile-Ausgabe erhältlich. Es zeigt ein ganz anderes Bild des oft verklärten Fin de siècle.

Klägers “Wanderbuch aus dem Jenseits” wirft Licht in jene dunklen Winkel der Stadt, die sonst verborgen bleiben. Die Fotos des Strafrichters Hermann Drawe zeigen Gesichter, die in eine andere Welt schauen, weil sie in der hiesigen alles gesehen haben. Kläger holt sie wieder vor die Augen seiner staunenden Leser. Ein ausführliches Nachwort gibt Auskunft über Kläger und seine Zeit.

Emil Kläger (1880-1936) war Redakteur der Zeitung “Die Zeit”, später Mitarbeiter des “Neuen Wiener Journals”, des “Wiener Tagblatts” und der “Neuen Freien Presse”. Er publizierte Feuilletons, Theaterkritiken und Berichte aus dem Gerichtssaal. Kläger leitete eine wöchentliche Premierenvorschau von Radio Wien und lehrte Theatergeschichte an der Akademie für Musik und darstellende Kunst.

Emil Kläger
Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechens. Ein Wanderbuch aus dem Jenseits
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Ernst Grabovszki
danzig & unfried 2011
ISBN 978-3-902752-01-7
300 Seiten, EUR 24,95
[asa]3902752017[/asa]

(quelle:http://www.openpr.de/news/547301/Elend-und-Verbrechen-in-Wien-nach-der-Jahrhundertwende.html)

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