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Buchrezension

Ha Jin – Warten – Chinesische Literatur

Ha Jin Warten. Ein Roman, der vom Titel her schon prima zu Besuchen auf Ämtern oder für einen Krankenhausaufenthalt geeignet ist. (Gute Besserung an dieser Stelle). Zum einen ist das Warten bei solchen Gelegenheiten quasi eine Tugend, die der Wartende mitbringen sollte. Eine Nummer ziehen, hinsetzen und los geht das Warten. Zum zweiten geht es hier um die fesselnde Geschichte eines Menschen, den Arzt Lin Kong, der versucht sein Leben – und inbesondere sein Liebesleben – im Verlauf der Jahrzehnte in Ordnung zu bringen.

Ha Jin, chinesicher Autor mit dem Roman "Warten"
Ha Jin, chinesicher Autor mit dem Roman “Warten”

Ha Jin, chinesicher Autor mit dem Roman “Warten”

Der Name des Autor, Ha Jin, und der Hauptfigur lässt erahnen, in welchem Teil der Erde diese Geschichte spiel: China, das Land, das sich anschickt, die kommenende Wirtschaftsmacht Nr. 1 zu werden. Am Anfang der Handlung befinden wir uns in den 60er Jahren und haben es mit solchen Schlagworten wie Mao, Kulturrevolution und anderem zu schaffen. Doch im Verlauf der Geschichte ändern sich nicht nur die gesellschaftlichen Bedinungen, sondern auch die Stellung der Menschen zueinander.

Romanfigur Lin Kong in den Fängen der Liebe

Immer mittendrin in der Geschichte ist Lin Kong, der Arzt, der zwar verheiratet ist, aber eine ganz andere Frau liebt. Doch er hat seine Wahl getroffen, auch wenn diese nicht ganz freiwillig war. Am Ende des Romans von Ha Jin “Warten” gibt es ein Ereignis, das die berechtigte Frage aufwirft, ob sich dieses Warten für unseren Helden Lin Kong wirklich gelohnt hat.

“Warten” von Ha Jin: Ein Fazit

Der Roman “Warten von Ha Jin ist auf jeden Fall eine Bereicherung für jeden Freund der asiatischen Literatur und insbesondere der chinesischen. Jins Schreibstil ist sehr detailliert, gerät dabei aber niemals in Gefahr zu langweilen oder den Lesefluss zu bremsen. Auch sind seine Figuren sehr durchdacht und nicht bloß oberflächliche Bewohner eines Romans, die dieses Buch bzw. die Geschichte “Warten” bevölkern. Überdies ist die Innenansicht eines Landes, das nicht unbedingt vor unserer Haustür liegt, sehr spannend geschildert.

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Buchrezension

Big Story von Franz Josef Wagner (Bild!)

Bevor Franz Josef Wagner bei der Bild alles in Grund und Boden schrieb, beschäftigte er sich mit dem Verfassen von Romanen!

Da ich ein gewisse Vorliebe für Flohmärkte, Sozialkaufhäuser und oftmals auch Antiquariate habe, tummele ich mich gerne dort herum und wühle mich durch Berge von Literatur, deren Bandbreite zwischen Klassikern, liebestollen Krankenschwestern und ganze Wäldern von Heidenreichs, Frieds und Pilchers reicht.

Als Indianer Jones des Lesens finde ich so zwar nicht den heiligen Gral, sondern eher Bücher von Menschen, die in kollektiven Gewissen unserer Gesellschaft eher mit anderen Tätigkeiten verankert sind. Ein solches Kleinod des Genres Abenteuerroman ist das Buch von Franz J. Wagner mit dem Titel “Big Story”.

Während sich die Tätigkeit des Romanciers heute eher auf das Schreiben von missverstandenen satirischen Glossen in einer gedruckten Meinungsmacherpostille (meine Meinung) beschränkt, hat der Mann, anscheinend in seiner Vergangenheit sich dem Genre des Abenteuer und  Journalisten Romans verschrieben.

Franz Josef Wagner schrieb Big Story
Franz Josef Wagner schrieb Big Story

Franz Josef Wagner – Früher: Romane und heute: Glossen und Briefe

In den Roman, den ich durchaus als Lektüre empfehlen kann, geht es um einen Journalisten, der natürlich eine dicke Story (Big Story!) hinter einem afrikanischen Engagement einer mysteriösen europäischen Firma vermutet. Das hängt damit zusammen, das ein paar Leute umgebracht werden und dass sich natürlich die Chefredaktion seiner Zeitung & Zeitschrift entscheidet, die Story erst einmal nicht zu drucken, damit es nicht zu diplomatischen Spannungen kommt.

Es wird von politischer Seite versucht, Einfluss auf die Recherche und Arbeit des Hauptprotagonisten zu nehmen. Außerdem hat die Geschichte noch einen zweiten Handlungsstrang zu bieten. Die Frau seines Freundes und Kollegen wird zu seiner neuen Geliebten.

Aber er kann das natürlich nicht seinem Freund und Kollegen antun und möchte sich von dieser Beziehung lösen, was ihm erwartungsgemäß nicht gelingt.

Schöne Klischees zu einem Roman zusammengeschrieben!

Und natürlich lauert hier auf jeder Seite eine Stalinorgel, die mit Klischees auf den Leser feuert. Das mit einer Intensität, dass einem schon fast schlecht werden kann.

Aber – und ein ganz großes “Aber”. Wenn man das weiß und es sich im Hinterkopf beim Lesen notiert, ist das Buch ein lesenswerter Journalisten Abenteuerroman. Franz Josef Wagner fährt genau die Klischees auf, die einen guten und spannenden Roman ausmachen.

Einen einsamen Wolf, der gegen alles und jeden kämpft, inklusive seines eigenen Rudels in Form seines Verlagshauses und seines Kollegen sowie Freundes in Personalunion.

Dann ist die Geschichte nicht unintelligent gestrickt. Es gibt garantiert tiefergehendere Geschichte und Plots – aber warum nicht auch mal ein Roman, der zwar keine überraschenen Wendungen bietet, sondern einfach mal gute Spannungskost.

Der Roman “Big Story” von Franz Josef Wagner ist bei ihrem modernen Antiquariat um die Ecke erhältlich, ebenso wie bei zahlreichen Internetanbietern.

Literatur über die BILD “Zeitung”

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Weitere Literatur von Franz Josef Wagner:
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Buchrezension

Ein fliehendes Pferd von Martin Walser

Martin Walser - Ein fliehendes Pferd
Martin Walser – Ein fliehendes Pferd

“Ein fliehendes Pferd” und ich. Es war schon immer eine Ahnung, dass ich eines Tages mal einen Roman von Martin Walser lesen würde. In der Vergangenheit habe ich mich da nicht wirklich ran getraut. Das lag wahrscheinlich daran, dass ich eher ein Interesse für die öffentliche Person Walser hatte, als für den Schriftsteller Walser.

Die ganze Nummer mit der Auschwitz Diskussion und der mörderische War of Words mit Marcel Reich Ranicki in den Bleiwüsten deutscher Feuilletons hat mich wahrscheinlich davon abgehalten einen Roman oder ähnliches von Martin Walser zu lesen.

Martin Walser – mein Studienrate im Geiste

Martin Walser ist für mich immer so was, wie das Sinnbild eines alten Studienrates. Ich will jetzt niemanden zu nahe treten. Aber das waren meine bisherigen Gedanken, wenn ich ihn spazierend durch das Fernsehen sah. Einen schönen Hut auf und einen Mantel an und schon ist man fertig für den malerischen Herbstspaziergang.

Klischees können schon was wunderbares sein. Was ich immer schon mochte, war seine sonore Stimme, die Vertrauen gepaart mit Intensität ausstrahlte. Es war eine wunderbare Sache zum Beispiel ein Hörbuch, wie Dichterstimmen, mit Walsers Stimme zu hören.

“Das fliehende Pferd” kam aus seiner Laune heraus zu mir nach Hause. Ich suchte einfach mal einen Einstieg in das umfangreiche Werk des Schriftstellers. Ein Anfall von Sparsamkeit überfiel mich und so bestellte ich einfach “Das fliehende Pferd”, da es mit 6,00 Euro einen für mich attraktiven Preis hatte.

Worum dreht sich alles hier beim “Fliehenden Pferd”?

Es ist eine Geschichte, die wahrscheinlich schon mal jedem so in einem Ansatz passiert ist oder vielleicht passieren wird. Es gibt ein nichtgewolltes Wiedersehen mit Menschen, die man in der Schulzeit kannte und dann ganz schnell vergessen hat, als es soweit war auf die stürmische See des Lebens hinaus zufahren.

Wir haben Helmut und Sabine und den Hund Otto. Ein Ehepaar, das seit Jahrzehnten immer in denselben Ort und dieselbe Unterkunft fährt, um die “schönsten Tage des Jahres” bei viel Wein und wenigen Gesprächen zu verbringen. Es erinnert schon ein wenig an die Geschichte des großen Genuss- und Machtmenschen aus der Pfalz, der mit seiner damaligen Frau Jahr für Jahr an denselben Ort gefahren ist.

Das Ehepaar in Walser Geschichte sitzt also in der routinierten Bewältigung des Urlaubes fest, als plötzlich und unerwartet ein Jemand aus der Vergangenheit auftaucht. Klaus Buch, ein ehemaliger Klassenkamerad von Helmut. Ein klassischer Aufschneider mit junger Freundin, alten Ansichten in Hinblick auf das Studieren von Frauen und jemand, der mit großer Freude schenkelklopfende “Gute Laune” verbreitet.

Klaus ist jemand der sein Mundwerk lose trägt und dementsprechend auch auf Helmut losgeht. Helmut will eher eine Nichtidentität haben oder um es mit großen Dichterworten von Hesse zu sagen: Helmut möchte ein Dutzendmensch sein. Da prallen natürlich zwei Weltbilder aufeinander und die alten Schulgeschichten befeuern die Situation.

Es kommt zu den berühmten verbotenen Früchten in Nachbargarten. Helmut und Sabine werden durch die beiden aus den Angeln ihres beschaulichen Weltbildes gerissen, welches exakt so beschaulich war, wie die Postkartenidylle in der sie seit Jahrzehnten ihren Jahresurlaub verbringen.

Der Klaus wühlt Helmuts Leben auf und Walser das Wasser

Klaus und seine neue Frau Hel fordern das eingerostete Ehepaar durch ihre Erscheinungsweise heraus und es kommt zu mörderischen Manövern auf dem See des Urlaubsortes. Die Symbolik des aufgewühlten Sees und des aufgewühlten Helmuts habe ich schon so verstanden, wie sie wahrscheinlich von Walser gemeint worden ist.

Es gerät ins Wanken: Das Schiff auf dem sie in der Geschichte segeln und das Schiff auf dem die beiden, Helmut und Sabine, eigentlich im seichten Wasser ihr Leben führen. Auf einmal überschlagen sich die Ereignisse und die Wellen nehmen sich Klaus und Helmut schafft es irgendwie zu überleben.

Als Klaus, der inzwischen für verstorben gehalten wird, doch wieder auftaucht, ist das Buch “Ein fliehendes Pferd” auch fast schon zu Ende.

Der Titel “Ein fliehendes Pferd” begründet sich wahrscheinlich auf eine kleine Episode in der Mitte des Buches, als Klaus (Hey! Wer sonst!) ein Pferd zum Stillstand bringt, das “durchgegangen” ist. In bester Western Manier.

Martin Walser “Ein fliehendes Pferd” eine aufgewühlte Geschichte

Martin Walser schreibt wie die stürmische See. Und zwar, obgleich es nicht wirklich richtig ist, ohne Punkt und Komma. Zumindest hatte ich das Gefühl. Es ist rasant und die Geschichte galoppiert davon. Wie “Ein fliehendes Pferd” halt. Es war am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, dass die wörtliche Rede nicht formal abgesetzt wird.

Aber in diesem Stil ist man schnell drin und es mindert nicht den Lesefluss. Insgesamt sind die 6,- Euro gut ausgegeben und ich schaue mal, was ich mir als nächstes von Martin Walser zur Brust nehme.

Literatur von Martin Walser

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“Ein fliehendes Pferd” gibt es natürlich auch verfilmt.
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